Ein "Notfell" der besonderen Art war "Spirit". Großgeworden als Flaschenkind fehlte ihm jegliche "Sozialkompetenz", gegenüber dem Menschen ebenso wie in der Herde. Schnell wurde aus ihm "Schnappi", da er daß Beißen nach allen Körperteilen seiner Menschen oder Mitponys bis zur Perfektion ausübte. Putzen mit 2 Personen, Bodenarbeit im Tandem und jede Menge Führtraining wurden ihm zu teil. Die Herde tat den Rest und es kam fast täglich zu Auseinandersetzungen, weil Schnappi sich im Spiel regelrecht in seinem Spielpartner verbiß. Nach vielen Wochen zeigte er ein deutlich verbessertes Verhalten in der Herde und war für Erwachsene händelbar. Ein Empfehlungsschreiben als Kinderpony konnten wir ihm allerdings nicht ausstellen, so daß er eine Umschulung zum Fahrpony antrat.

Wir sind kein "Sammelstelle" an der alte oder kranke Pferde kostenfrei "entsorgt" werden können. Wir nehmen gezielt Pferde auf, die aufgrund ihrer Vorgeschichte nicht mehr vermittelbar sind. In den meisten Fällen handelt es sich um recht junge Tiere, die bei der Ausbildung unsachgemäß behandelt wurden. Leider hört man oft, dass die Pferde nicht mitarbeiten wollen, böse sind, steigen, bocken usw. In der Regel handelt es sich dann um junge, unerfahrene Tiere, die aufgrund der "Miß-Behandlung", die ihnen meistens aus Unwissenheit zuteil wurde, verstört, panisch, unsicher und leider teilweise auch mit physischen Schäden abgegeben werden. Diese Tiere sehen oft einem langen, qualvollen Weg entgegen, an dessen Ende in der Regel der Schlachter steht. 

Diese Ponys werden verschachert, vergessen, verschenkt und die neuen Besitzer versuchen mit meistens eher wenig Sachverstand und mehr Gewalt, dem ohnehin schon geschundenen Lebewesen, das in Angst und Schrecken lebt, Herr zu werden. Die wenigsten dieser Tiere haben das Glück, an fachkundige Besitzer zu gelangen.

Die Pferdehilfe an der Nordsee nimmt diese Tiere auf. Die Gemeinschaftspraxis der Tierärzte Hermann Edzards, Hero Bartmann, Rainer Hinrichs und Michael Rüth aus Esens helfen mit viel Sachverstand und Geduld, die Gesundheit der oft verängstigten Tiere wiederherzustellen. 

Durch unsachgemäßen Einsatz von nicht passenden Sätteln, katastrophalen "Trensen", falsch verschnallten Hilfszügeln und zuviel Reitergewicht, das zu lange auf zu wenig Pferd sitzt, entstehen oft Rückenprobleme, Schäden am Bewegungsapparat, Sattelzwang u.v.m.

Im Bereich der Chiropraxis greifen wir daher gern auf den Tierarzt Michael Rüth aus der Gemeinschaftspraxis zurück, der sich auf diese Problematiken spezialisiert hat. Gerne auch mit Unterstützung des "Knochenbrechers" Gerd Groon, der unseren Pferdebestand regelmäßig besucht. 

Bis wir mit einem Pferd arbeiten können, das mit derartigen körperlichen Problemen zu uns kommt, vergehen oft Monate. Das ist aber keine "verschwendete Zeit", denn auch die Seele muss heilen. Es dauert oft nur Sekunden um Vertrauen zu zerstören, aber Jahre um es wieder aufzubauen.

Dabei helfen uns oft und gern unsere Reitkinder aus der Umgebung. Während die Pferde oft 

pauschal allen Erwachsenen mit Misstrauen begegnen, so beobachten wir oft, dass sie Kinder als weniger oder gar nicht "gefährlich" betrachten. Schon nach sehr kurzer Zeit werden sie anhänglich und zugänglich. 

Das öffnet uns die Tür für eine gemeinsame Zukunft - vielleicht in einem schönen, neuen Zuhause!

 

Oft geraten Menschen zufällig an ein solches "Problempferd", manche aus Mitleid, aus Gutmütigkeit oder durch Täuschung beim Kauf. Oft geraten diese Personen dann in einen Kreislauf aus gutgemeinten Ratschlägen, ungesundem Halbwissen, teuren "Quacksalbern" , Unverständnis und oft auch harter Kritik. Das "gerettete Pferd" kooperiert nicht, zeigt sich leider nicht glücklich und dankbar und eine Lösung über den Weiterverkauf ist reinen Gewissens nicht möglich. Denn gerade dieser "Käuferkreis", hat ein Gewissen und sucht oft verzweifelt nach einem guten Weg für das betroffene Pferd, an dessen Situation er keine Schuld trägt.

Von allen unseren "Notfellen" ist hier ist der Ausgang leider am wenigsten vorhersehbar. Manche Pferde können erfolgreich zur Zufriedenheit aller Beteiligten an ihre Besitzer zurück kehren, andere können an passende Endplätze vermittelt werden, aber ein Teil ist vielleicht nie wieder "nutzbar", weder als Reit- noch als Fahrpferd. Manche haben einen irreversiblen Schaden an Skelett oder Muskulatur, der sie nicht belastbar macht , andere blockieren zumindest scheinbar im Kopf. Wenn diese Pferde dauerhaft bei uns bleiben sollen, explodieren für ihre oft nicht verantwortlichen Besitzer die Kosten auf lange Sicht, ohne Hoffnung auf Erfolg. Für diese Pferde suchen wir "Paten", die gezielt die Kosten für ein bestimmtes Pferd durch ihre regelmäßige Spende reduzieren. Der Betrag kann frei gewählt werden und natürlich kann man jederzeit die Patenschaft beenden, wenn es nicht mehr möglich sein sollte.

Gerne nehmen wir Anfragen entgegen!